Capitol Records

Neu im Voodoo Verlag:


Capitol Records. Wie Amerikas Musik Europa eroberte
Von Rüdiger Bloemeke
Nur wenige Jahre nach der Nazi-Diktatur schloss die Plattenfirma Capitol Records einen Vertrag mit der Telefunken-Platte. Capitol war damit das erste Label, das in Deutschland wieder amerikanische Musik zugänglich machte. Von Berlin aus erreichten die Platten halb Europa – von Norwegen bis Österreich, von Schweden bis Frankreich. Capitol breitete ein Panorama der US-Popgeschichte aus und bescherte dem Alten Kontinent Jazz, Blues, Filmmusik, Musicals, Country und Rock ’n’ Roll: die Musik von Nat King Cole, Les Paul and Mary Ford, Leadbelly, June Christy, Ella Mae Morse, Kay Starr, Peggy Lee, Frank Sinatra, Dean Martin, Faron Young, Tennessee Ernie Ford, Gene Vincent, Duke Ellington, Benny Goodman, Coleman Hawkins, Harry James, Miles Davis, Stan Kenton, Woody Herman, Gerry Mulligan, Stan Getz… Das wirkt bis heute nach.
Großformat, 218 Seiten mit über 200 Schwarzweiß- und Farb-Abbildungen. € 30
 ISBN 978-3-00-071795-6
In Deutschland erschienene Capitol-EPs (oben) und -LPs

Pressestimmen zu „Capitol-Records“:

Nach fünf Jahren expandierte Capitol Records und streckte die Fühler nach Europa aus, vor allem nach Deutschland… Damit begann auch für Telefunken ein neues Kapitel. Capitol-Jazzplatten, die bis dahin nur importiert wurden, konnten für die, nach jahrelanger Jazz-Abstinenz in Nazi-Deutschland ausgehungerten Jazzfreunde nun direkt hier hergestellt und vertrieben werden. 

Rüdiger Bloemeke hat die ambivalente Geschichte mit diversen Geschichten zur Kulturoffensive Amerikas am Beispiel von Telefunken-Capitol kenntnisreich aufgearbeitet und 218 Seiten mit viel Wissenswertem gefüllt. Er beschreibt faktenreich und kritisch, warum »was wenige Jahre zuvor als ›artfremde Niggermusik‹ verfemt war,« plötzlich wie selbstverständlich in den Plattenläden und später aufkommenden Jukeboxen Westdeutschlands zu finden war, aber auch, welche Hindernisse es zu überwinden galt, dem vorherrschenden nationalen Größenwahn in Sachen Kultur mit Klängen der »freien Welt« zu begegnen. 

Zehn anekdotenreiche, flüssig geschriebene Kapitel plus diverse Anhänge stellen Protagonisten der Plattenfirmen vor (mit Kurzporträts), deren wichtigste Künstler, warum Capitol Records in Deutschland als Jazzlabel wahrgenommen wurde und welche Rolle Joachim-Ernst Berendt und Werner Burkhardt dabei spielten, welche Verbindungen und Wechselwirkungen es mit skandinavischen Ländern gab … . Produktionsdetails und etwas Labelkunde sind vor allen Dingen für Plattensammler interessant. Seltene Fotos aus privaten Sammlungen und farbige Coverabbildungen runden die spannende Dokumentation über den Einzug amerikanischer Musik in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg ab. Sie ist mehr als nur eine Ergänzung des im Taschen Verlag 2017 erschienen Bandes zum 75jährigen Jubiläum von Capitol Records.
Detlef A. Ott in „Just For Swing Gazette“ (Juni 2022); http://www.jazzfan24.de/JFS/JFSG_38_2022.pdf

Zwei beherzte Männer sorgten kurz nach Kriegsende für musikalische Befreiung: 1948 beschlossen der Miniradiopapst Glenn Wallichs als Capitol-Records-Boss und der deutsche Tonband-Pionier Hans Lieber als Telefunken-Chef eine Koop, die den Amis wertvolle Teldec-Klassik und uns begehrte U-Musik der USA liefern sollte – Jazziges von Swing zu Cool, Boogie. Dazu kam Country… Flashback: Der singende Komponist Johnny Mercer („Moon River“) und Wallichs starteten kurz nach Pearl Harbor 1942 mit Songwriter Buddy DeSylva als Investor Capitol Records. Mit Ella Mae Morse, Peggy Lee und Billie Holiday sang echte Frauenpower, Nat King Cole wurde Jazzballaden-Superstar… Der Autor schildert spannend den Kontrast zwischen KZ-Drohung für Swinghören und kaufmännischem Wagnis neuen Jazzangebots in Hungerzeiten; dazu zig Probleme, ehe in einer Ex-Lederfabrik bei Kiel acht Plattenpressen installiert wurden: zunächst für 78er Schellack, ehe ab 1951 Vinyl kam. Bloemekes intensive Recherche samt Interviews bietet packende Fakten und Anekdoten – präzise wie skurril. Sie funktionieren als Erinnerung für Zeitzeugen sowie als Aha-Erlebnis für Jüngere.
Uli Twelker in „GoodTimes“ (Mai 2022)

Johnny Mercer und Rüdiger Bloemeke in Savannah, Georgia
Ella Mae Morse in den 50er Jahren und 1998 in Paso Robles, Kalifornien, mit dem deutschen Rock’n’Roll-Fan Klaus Kettner

Zu erwerben gab es solche Schellack-Platten erst mal so gut wie nicht. Hier setzt die wie gewohnt sehr detaillierte und sachkundig recherchierte Arbeit von Autor Bloemeke ein. Er rollt alles von Beginn an auf. Die Gründung der Schallplattenfirma Capitol Records in den USA samt Vorstellung der wichtigsten „Macher“ dient der Einleitung, bevor der Einstieg ins deutsche Schallplattengeschäft geradezu minutiös dokumentiert wird. Spannend dürfte diese Zeit auf jeden Fall gewesen sein, wie man es den Schilderungen auch anmerkt. . .
Sämtliche Texte lesen sich unterhaltsam; hier bewährt sich Bloemekes Routine im perfekten Darstellen eines eigentlich eher trockenen Stoffes.
Ulrich K. Baues in „Country Mag“ (April 2022); http://www.country-mag.de/News/News/buch-capitol-records-wie-amerikas-musik-europa-eroberte-18-2022.html